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Eine Dichterin im Internet - Da bin ich ;-)
Von caro | 5.Oktober 2009
Eine befreundete Literatin, die auf zahlreiche Publikationen zurückblicken kann, und deren literarische Qualitäten ziemlich außer Zweifel stehen, meldete sich aus Neugier und Interesse an einem Meinungsaustausch mit Gleichgesinnten in einem hier nicht namentlich angeführten Internetforum an, bei dem es sich nach Eigendefinition um “eine der größten deutschsprachigen Literaturplattformen” handelt. Dort gibt es für AutorInnen 23 Lyrik- und Prosaforen für Veröffentlichungen und den Meinungsaustausch mit rund 4.000 anderen Autoren, eine kostenlose Schreibwerkstatt und kostenloses Lektorat für Werke nebst jährlichen Buchveröffentlichungen.Der Haken an der Anmeldung ist, dass man nach der Registrierung zunächst nur einen Probe-Account erhält, denn um den kompletten Funktionsumfang der Plattform nutzen zu können, muss man mindestens ein Werk eingestellt haben. Dieser erster Beitrag wird von dann von Foren-Redakteuren innerhalb weniger Tage freigeschaltet.
Gesagt, getan. Caro – unter diesem in Literaturkreisen bekannten Nickname hatte sie sich angemeldet – wählte aus den zahlreichen Foren jenes aus, das ihrem Interesse am nächsten schien: “Experimentelles – Experimentelle Lyrik“. Die Beschreibung dafür lautete: “Um der wachsenden Zahl schwer einzuordnender lyrischer Texte gerecht zu werden, kann in diesem Forum experimentiert, lautmalerisch oder dadaistisch gedichtet oder realsatirische Kunst betrieben werden.”
Da Caro vor kurzem an einem Twitter-Literatur-Wettbewerb erfolgreich teilgenommen hatte, wählte sie einen prämierten Tweet zu einem aktuellen Thema und gab ihm den Titel: “Evolution oder Kreationismus”:
Ein Affe klettert auf den Baum.Er schläft dort ein, wird wieder munter.Und Charles Darwin glaubt es kaum:als Homo sapiens kommt er herunter.
Schon nach kurzer Zeit erhielt sie von einem Forenredakteur – wir nennen ihn hier OLerche – folgende Antwort:
Hallo caro!
Ihr Beitrag ‘Evolution oder Kreationismus’, den Sie in dem Forum veröffentlichen möchten, wurde nicht angenommen.
Dieser Vierzeiler eignet sich nicht als Vorstellungstext, zumal er – eventuell in leicht abgewandelter Form – als Schülerspruch seit Generationen regional verbreitet und geläufig ist.
Grüße von OLerche
Einigermaßen verblüfft über diese Beurteilung – alle diesbezüglichen Google-Versuche blieben natürlich negativ – antwortete sie:
Du schreibst: “Dieser Vierzeiler eignet sich nicht als Vorstellungstext, zumal er – eventuell in leicht abgewandelter Form – als Schülerspruch seit Generationen regional verbreitet und geläufig ist.”
Du hast für diese Behauptung einen Beleg, oder?
c.
Relativ prompt kam die Antwort:
Hallo caro,
“Du schreibst: “Dieser Vierzeiler eignet sich
nicht als Vorstellungstext, zumal er – eventuell in leicht abgewandelter Form – als Schülerspruch seit Generationen regional verbreitet und geläufig ist.”
Du hast für diese Behauptung einen Beleg, oder?”
Ja, die Aussage einer glaubhaften gestandenen Berliner Kollegin und Co-Lektorin.
Mit freundlichen Grüßen
OLerche
Hallo OLerche,
Und wie lautet dann dieser bekannte Schülerspruch?
c.
BTW: Das war ja der Witz an der Sache, einen solchen Eindruck von Bekanntheit zu vermitteln!
Hallo Caro,
auch ohne den Einwand der Kollegin fand der Beitrag nicht die entsprechende Zustimmung. Er wurde von insgesamt vier Personen gelesen und als lyrisches Einstiegswerk abgelehnt. Für ein Witzgedicht ist es schlicht zu sparsam konzipiert, die stilistische Mittel eher dürftig, die Pointe klemmt.
Wenn Sie Ihr Talent verkannt wähnen, schicken Sie uns doch ein Werk von Ihnen, das besser geeignet ist, uns einen Einblick in Ihre tatsächlichen Fähigkeiten zu geben oder versuchen es in einem anderen Forum.
Mit freundlichen Grüßen
OLerche
Hallo OLerche und die “vier anderen Personen”,
- Ein Witz, der der nicht sparsam ist, ist ein schlechter Witz, gerade soviele Worte, wie zur Pointe notwendig sind, macht eine guten Witz aus.
- Das stilistische Mittel sind übrigens die 140 Zeichen – das Gedicht ist nämlich ein Tweet.
- Die Feststellung, dass die Pointe klemmt, ist im Zusammenhang mit der bisher noch immer unbewiesenen Behauptung, dass es sich um einen abgewandelten Schülervers handelt, eher ein Paradoxon.
Ich komme also zu dem Schluss:
Die Jury wollte sich beweisen,
was die Dichterin erheitert.
Statt sie für’s Werk zu preisen
ist sie an ihm gescheitert.
c.
Es gibt übrigens auf dieser Literaturplattform auch ein Forum für “Humor und Satire” …
Hallo caro!
deinIhr Beitrag ‘Eine Dichterin im Internet’, den du in der Leselupe veröffentlichen möchtest, wurde nicht angenommen.
Das Käseglockenteam beglückwünscht dich allerdings, dass du eine erfolgreiche, bekannte und extrem erfindungsreiche Schriftstellerin bist, die noch an die Allwissenheit des Internets glaubt und Texte immer so zu verfassen versteht, dass der Leser ganz begeistert ist (außer er ist blöd, natürlich). Wir entschuldigen uns untertänigst, dass wir einen anderen Geschmack haben als deine Lesermassen und dass wir aufgrund unserer langjährigen Schreib- und Textarbeitserfahrung andere Ansprüche stellen als deine Fans. Wir freuen uns jedoch, zu deiner Unterhaltung beigetragen zu haben und hoffen, du lässt noch viele deiner treuen Leser an der entspannten Erheiterung teilnehmen, die dich ob unserer Ablehnung erfasste (irgendwer wird schon glauben, dass diese Erheiterung echt und nicht nur ein Schutzschild ist).
Kleiner Tipp: Falls du noch eine Selbsthilfgruppe suchst: Wir können dir noch weitere Namen von hochbegabten Autoren zukommen lassen, die in anderen Foren extrem erfolgreich sind und nach eigener Aussage nur in der Käseglocke (in der sich Leute, die ernsthaft an Text interessiert sind und deshalb schon mal genauer hinschauen) keine Jubelstürme auslösen.
Wir wünschen dir auf deinem weiteren Weg zum Literaturnobelpreis viele gute Freunde.
Grüße von Zypresse
Kontakt: http://www.Kaeseglocke.de/lw/member.php?action=mailform&userid=2240
Der Betreiber der Käseglocke stellt als Alternative ein Literatur-Blog zur Verfügung, welches ohne Zugangsbeschränkung und fast unmoderiert als Veröffentlichungs-Plattform dient. Schauen Sie einfach mal vorbei: http://www.litblog.de
Quelle: http://literatur.stangl.eu/766/eine-dichterin-im-internet (09-10-05)
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5 Kommentare to “Eine Dichterin im Internet - Da bin ich ;-)”
Kommentare
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6.Oktober 2009 at 08:31
Ich unterbreche meine Grinsattacke mal und rufe: Plagiat! Das hier ist kein literarischer Text sondern (unwesentlich) verfremdetes Zitieren einer Korrespondenz. Aber eigentlich sollte das beim Gegenstand des Gezeters nicht wundern – war ja auch nur ein Plagiat.
6.Oktober 2009 at 09:04
Plagiat?
Was wurde hier plagiiert?
Wenn man solche ehrenrührigen Behauptungen in den Raum stellt, sollte man die auch mit Fakten belegen können.
Oder ist das bloß der schlechte Stil, der unter Möchtegernliteraten üblich ist?
6.Oktober 2009 at 11:11
Wenn einer, der mit Verve dichtet
Und andre mit Kritik vernichtet,
Schon meint, daß er ein Krit’ker wär,
So irrt sich der.
Paraphrase auf http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werke/frosch.html
8.Oktober 2009 at 16:33
Ich verfolge diese “Geschichte” seit Beginn und denke, dass die von Caro handwerklich ziemlich professionell gestrickten Texte - ich halte den Vierzeiler für formal recht gelungen und den Puff-Text sowieso - tatsächlich nur ad personam abgewertet werden, wobei der Rechtschreibe-Vorwurf durch einen Blick ins den Duden zerplatzt. Die Qualität liegt in der selbstreferentiellen Satire. Da wird jemand auf die Schaufel genommen - eigentlich tut er es ja selber! - und nimmt diese bereitwillig selber in die Hand, um das Loch noch tiefer zu graben.
H.M., Versschmied
13.Oktober 2009 at 14:42
Ich hab dein Erfahrungen mit der “Käseglocke” nicht glauben können und dachte, dass du mit den Personen dort einfach Pech hattest. Um das zu prüfen, hab ich einfach meine jüngst mit einem ersten Preis für Prosa beim AKUT09 ausgezeichneten Text genommen, und denen geschickt. Die Reaktion war vergleichbar ignorant:
Hallo westsiebenundvierzig!
Ihr Beitrag ‘My Private Angel‘, den Sie in der Käseglocke veröffentlichen möchten, wurde nicht angenommen.
Locker flockig geschrieben, ist das vorgestellte Werk leider keine (Kurz)Geschichte, sondern eine Glosse. Was den Text nicht per se als Einstandswerk disqualifiziert. In unserem Forum ‘Essays, Rezensionen und Kolumnen’ finden Vertreter dieses Genres zum Beispiel ein Plätzchen. Wenn dieses Werk nur nicht so sinnfrei wäre! Diese Schwadronade über Eigenheiten von Schutzengeln wirkt wie eine Lockerungsübung für die Schreibfantasie, aber die gehören in die Schublade respektive auf die Festplatte. Ich bin sicher, Sie könnten uns auch sättigerendes Lesefutter bieten, Ihr Handwerk macht nämlich einen soliden Eindruck. Möchten Sie es noch einmal mit einem anderen Text versuchen?
Grüße von Rumpelsstilzchen
Ich denke, der Name der/des Rezensenten spricht sieben Berge, über die man sich schleunigst begeben sollte, bevor man dort literarisch sinnvolle Unterstützung erhalten möchte. Ich habe dort nicht einmal eine Möglichkeit gefunden, sich komplett löschen zu lassen! Wahrscheinlich sind die vielen AutorInnen, derer sie sich berühmen, nur Karteileichen.
W.S.