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    Bukarest oder “Ob eine Sauna wirklich Teppich braucht?!”

    Von tim | 2.April 2008

    Bukarest oder “Ob eine Sauna wirklich Teppich braucht?!”

    Tim und AndreNachdem ich in schon eine Reihe internationaler Hauptstätte bereist hatte, stand über Ostern 2008 mal wieder ein lang ersehnter Städtetrip ins Haus. Nach reiflichem Überlegen und nicht zuletzt weil ein Freund dort lebt und arbeitet, machte Bukarest letztlich das Rennen. Bukarest, klingt ja eigentlich nach was. Ist zwar Rumänien, also recht tiefer Osten, aber das versprach wenigstens lockeres Sightseeing und feiern ohne Budgetkrimi. Schließlich gab es den Flug und drei Nächte im Vier Sterne Hotel für faire 300 Euro pro Kopf. Zusammen mit meinem Kumpel Tim brachten wir es übrigens auf zwei Reiseköpfe.

    Hotel BukarestDer Empfang den uns Bukarest bescherte war beeindruckend. Sind doch, wenn man bei 2 Grad und Schneeregen ins Flugzeug gestiegen ist, 20 Grad und Sonne ein Blatt das mehr als schwer zu schlagen ist. Mit diesem Hochgefühl wurden wir dann von Joe, meinem Kumpel vor Ort in Empfang genommen und zum Hotel gefahren. Bereits auf der Fahrt stießen wir auf Tentakeln des Sozialismus, die unserer Euphorie jedoch nichts anhaben konnten. Neben den typisch hässlichen und heruntergekommenen Plattenbauten, zwischen denen vereinzelt protzige Villen standen, fand ich die Wälder spannend. Wenn ich an einen Wald denke, kommt mir persönlich zunächst wilde Natur mit Tieren und Pflanzen in den Sinn. Etwas unbändiges leicht unberechenbares. In Rumänien ist das anders. Jeder Wald hier schien genau geplant. 500 Bäume, und exakt so groß wie zwei Fußballplätze und was die Form angeht möglichst rechteckig. Das einzige was diesen Wäldern fehlte waren Zäune und ein unendlich künstlich aussehendes, Gelb-Rotes Kassenhäuschen um jedem Besucher Vier Lei oder eben 50 Cent Eintritt abzunehmen. Als wenn man für ein Stückchen Natur Eintritt zahlen würde.

    Fahrt BukarestNach etwa einer viertel Stunde Fahrtzeit durch Bukarest City, gelangten wir zu unserem Hotel und waren zu unserer Überraschung sehr zufrieden mit unserer Wahl. Die Frau an der Rezeption sprach Englisch und war freundlich, die Zimmer geräumig und sauber. Die Rucksäcke in die Ecke geworfen machten wir uns auf um direkt die interessantesten Sehenswürdigkeiten Bukarests abzuklappern. Schließlich sind drei Tage nicht die Welt und wir wollten auf jeden Fall alles sehen. Zum Glück hatten wir ja unseren Local Joe dabei, der uns herum fahren würde und uns bei der Auswahl unserer Ziele helfen konnte. Im Internet hatten wir vom zweitgrößten Gebäude der Welt gelesen, welches in Bukarest steht, dem Palast. Da dieser nur eine halbe Stunde Fußmarsch vom Hotel entfernt war, beschlossen wir unsere Beine zu bemühen und so direkt auch die Stadt etwas besser kennen zu lernen.

    Kaputte Häuser BukarestDas Stadtbild was geprägt von kaputten und zugeparkten Gehwegen und verrotteten Gebäuden, die entweder unansehliche Platten oder lieblos sich selbst überlassene, eigentlich super schöne Altbauten waren. Dazu kamen vielerorts blinkende Leuchtschriften der Kasinos, die auf niedrigstem Niveau versuchten einen in ihren Bann zu ziehen und schließlich viele kleine Bäckereien die ihre sehr süß schmeckend aussehenden Backwaren in den Smock-verschleierten Fenstern Präsentierten. Gerade diese Backwaren in Kombination mit dem Traumhaften Wetter und den an jeder Kreuzung baumelnden Stromkabeln lösten in uns immer wieder Assoziationen mit Spanischen oder Südamerikanischen Großstätten aus.

    Bukarest PalastAm Palast angekommen waren wir beeindruckt. Das war wirklich ein riesiges Gebäude welches da vor uns lag. Wir gingen drum herum und ließen die Eindrücke wirken. Nun sind mein Kumpel und ich zwar nicht direkt Kulturbanausen, aber auch keine Liebhaber, weshalb wir und Gegen die Besichtigungstour des Inneren des Palastes entschieden haben, sondern lieber direkt weiter wollten zur nächsten Sehenswürdigkeit! Klar, schließlich kommt man nicht alle Tage nach Bukarest, und wenn man schon mal dort war musste man sich auf jeden Fall auch noch die Br…ach nee…die steht ja ganz woanders. Aber den Kr…nee, auch nicht Bukarest…Moment mal. Was sollte oder konnte man sich denn hier jetzt noch ansehen??? Wir wälzten unsere mitgebrachten Reiseinformationen und befragten Leute um uns herum. Nach einigem hin und her kamen wir zu dem Schluss, dass wir 45 Minuten nach unserer Ankunft im Hotel sämtliche Sehenswürdigkeiten Bukarests gesehen hatten und wir nun höchstens noch zum 250 Kilometer entfernten Schloß von Dracula fahren könnten. Langsam realisierten wir warum einem spontan in der Regel recht wenig zu Bukarest einfällt. Es gibt einfach nichts.

    Park BurarestSo beschlossen wir am nächsten Tag wenigstens das schöne Wetter zu genießen. Wie sich der aufmerksame Leser nun vielleicht schon denken kann ist das in Bukarest nicht leicht. Also machten wir uns auf die Suche nach dem größten kleinen grünen, in der Realität dann übrigens grau-braunen, Fleckchen das die Karte hergab. Unser Traum wäre eine Stückchen Rasen gewesen, vielleicht mit einem Cafe in der Nähe. Was wir dann fanden war ein etwa Fußballplatz großer Park, mit einem kleinen, künstlichen und ausgetrocknetem See mit lustigem Häuschen in der Mitte. Zu guter Letzt waren die vermeintlich grünen stellen eher bräunlich und wenig einladend. Immerhin gab es ein Restaurant in dem wir dann gezwungenermaßen einige Stunden verbrachten, um dann gegen Nachmittag wieder einmal durch die ausladenden Bukarester Straßen zu laufen und auf irgendwas zu warten, das dieses „das kann doch nicht Alles sein, ich meine das kann unmöglich Alles sein“ Gefühl endlich vertreiben würde. Ich meine ich wäre fast schon dankbar gewesen, wenn es irgendwas gegeben hätte, dass mich zwingen würde mich innerlich bei der Stadt zu entschuldigen, weil ich ihr vorschnell Unrecht getan habe.

    U-Bahn BukarestJeder kennt wohl das typisch wuselige Treiben der Menschen in Großstädten, die wie die Hormone eines frisch verliebten durch die Straßen rasen. Die große Zahl jener Menschen in den Straßen sorgte für einen ersten Eindruck, der auch den Zweiten Dritten und schließlich alles weiteren Eindrücke bestätigen sollte. Stell dir die von mir beschriebene Kulisse vor und füge diesem Unbehagen auslösenden Bild der Straßen noch überfüllte Bürgersteige zufügen. Würde man sich jetzt einen Klappstuhl nehmen, diesen mitten auf einem der Bürgersteige platzieren sich niederlassen um die Stadt wirken zu lassen, würde man folgende Menschentypen auf sich zukommen sehen. Zunächst gibt es Männer, die mit ihren kräftigen aber nicht dicken Körpern, kurzen Haaren und eher sportlicher als schicker Kleidung und runden grimmigen Gesichtern eher über einen drüber als an einem vorbei wollen. Weiter begegnete man Frauen, die ich, wenn ich ihnen an irgendeinem anderen Ort der Welt begegnet wäre, als aus dem Osten stammend identifiziert hätte. So hatten die meisten Frauen nicht nur sehr kantige Gesichtszüge, sondern sahen vor allem so aus als verpflichte das rumänische Grundgesetz Frauen, beim Schminken Grün Blau und Lila zu verwenden. Selbst Geschäftsmänner, die in anderen Städten durch ihr stylisches Auftreten einen Hauch von Klasse versprühen, tragen in Bukarest teilweise Hochwasserhosen und Krawatten, die so kurz sind, dass wenn ihr Träger auf einem Zahnarztstuhl die Zunge rausstreckt, sie nicht mehr zu sehen ist. Um es auf den Punkt zu bringen…irgendwas fehlt dieser Stadt.

    DächerVielleicht hofften wir dieses Fehlende Stückchen an unserem letzten Nachmittag in unserer Hotelsauna zu finden. Vielleicht war fußte unsere Entscheidung aber auch auf der Resignation nach Alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen. Wie auch immer. Wir gingen in die Sauna, welche sich übrigens im obersten Stock unseres Hotels befand. Es war eigentlich mehr eine Dachterrasse, riesengroß und mit vielen Grünpflanzen. Die tollen Fliesen ließen die riesige Finnische Holzsaune in der Mitte der Terrasse ein wenig wie eine Prinzessin über den Dächern der Stadt erstrahlen, die nur wartet, dass sich völlig fallen lässt und entspannt. So wäre es nett gewesen. Die Tatsachen sehen leider anders aus. Die winzige Sauna war in einem Hotelzimmer untergebracht. Es gab keinerlei Liegestühle oder irgendetwas was zum entspannen einladen würde. Das letzte was ich noch von Bukarest weiß, bevor ich dann endgültig abgeschaltet habe, ist ein Bild aus dem inneren der Sauna. Leicht gelangweilt lasse ich meinen Blick schweifen, bis er an etwas plüschigem hängen bleibt. Doch meine Etikette verbietet es mir an dieser Stelle weiter auf den nackten Tim einzugehen. Jedenfalls lasse ich meinen Blick weiter schweifen, bis er erneut an etwas plüschigem hängen bleibt. Dieses mal auf dem Boden. Da haben die lieben Rumänen wohl die Sauna einfach mal auf den vorher im Zimmer verlegten Teppich gebaut.

    IDM Tours BukarestAber ich will hier wirklich nicht zu viel Werbung für Bukarest machen. Wer die ganze Welt kennt, und als Alternative nur Holland hat, für den käme ein Besuch vielleicht in Frage. Wer dann schnell wieder weg will, dem seien die IDM-Tours empfohlen. Wenn die bei der Reiseplanug so kreativ sind wie bei ihrer Namens und Logo-Findung, dann steht einer großartigen Abreise nichts mehr im Wege…

    Andre & Tim

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    6 Kommentare to “Bukarest oder “Ob eine Sauna wirklich Teppich braucht?!””

    1. 100WorteReporter meint:
      2.April 2008 at 16:25

      Das ist ein gelungener Reisebericht. Weiter so. Da macht Lesen spaß.

    2. Cyndia meint:
      5.April 2008 at 18:18

      Wie klein die Welt doch ist. Die Telefonzelle sieht aus wie eine in Schottland und das hatte mir sehr gefallen. Sicherlich gefällt mir auch Bukarest, schon allein wegen der Temperaturen.

      Danke, dass ihr mir wieder gezeigt habt, was es alles zu besuchen gibt auf dieser Welt. Bukarest ist sicher eine Reise wert!

    3. andre meint:
      6.April 2008 at 06:00

      telefonzelle?

    4. Georg Viorel meint:
      2.Juli 2009 at 20:12

      Bukarest ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Rumäniens. Die Stadt ist nach Einwohnern gesehen durch den Beitritt des Landes auch die sechstgrößte der Europäische Union und neben Athen und Belgrad die größte urbane Einheit auf dem Balkan.
      Das Stadtbild von Bukarest ist geprägt von einer erstaunlich vielfältigen Architektur. In kaum einer anderen europäischen Hauptstadt findet man auf engstem Raum ein derart buntes Stilgemisch. Gebäude im k.u.k-Stil stehen neben Palästen im französischen Neo-Barockstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts, Villen im neorumänischen Brâncoveanu-Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts (der orientalische und italienische Baumotive in sich vereinigt) und kleine ländliche Häuschen ducken sich zwischen Blöcken im modernistischen Stil der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts und typischen sozialistischen Plattenbauten aus den 1960er und 1970er Jahren. Hinzu kommt der protzige Zuckerbäckerstil, den der Ex-Diktator Nicolae Ceausescu der Stadt in seinen letzten Amtsjahren aufgezwungen hat.

    5. lars meint:
      17.September 2009 at 15:49

      na du hattest ja spaß. war wohl die erste reise in eine stadt östlich des bayerischen waldes. ;-)

    6. bella meint:
      26.März 2010 at 13:39

      weiter so das ist wirklich ein guter reisebericht solche blogs helfen immer weiter :D

    Kommentare

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