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    Das Licht der Welt

    Von Karlwilismus | 23.März 2008

     Karl-Wilhelm Schmidt„Das Licht der Welt oder Interview mit einem Künstler“                             August 2004   

    Das Licht der Welt Oder Interview mit einem Künstler 

    1950 in Cuxhaven geboren, ist hauptberuflich Künstler, der seine Ausdrucksform in der abstrakten Malerei gefunden hat. Denn nur allein die Abstraktion – so der Künstler – gibt ihm die notwendige Freiheit, das auszudrücken, um was es ihm geht: Gefühle. Und die (abstrakte) Kunst ist eine der frühesten Möglichkeiten menschliche Gefühle zu offenbaren. Karl-Wilhelm Schmidt arbeitet in Öl und zieht größere Formate vor. Er malt in kräftigen Farben und Kontrasten, verwendet phantasievolle und ungewöhnliche Formen. Gefühle, Phantasie, Stimmungen und Empfindungen, aber auch Gelesenes und Biblische Motive sind die Hauptinspiration seines Schaffens. Ein Beispiel wäre das Bild „Der Walfisch“. Hier wird eine Brücke geschlagen zu der Geschichte aus dem alten Testament, in der Jonas von dem Walfisch verschluckt wurde. Jonas betet zu Gott und wird nach drei Tagen wieder ausgespuckt. Es gibt mehrere Interpretationsmöglichkeiten: - Ist es eine Parallele zu der Auferstehungsgeschichte? (Nach drei Tagen ausgespieen, - nach drei Tagen wieder auferstanden.) - Ist es ein Symbol? DAS Symbol Christus? Soll uns der entgegenkommende Fisch nicht dazu auffordern, ihn auf uns zukommen zu lassen und Christus und den Glauben in uns aufzunehmen? - Vielleicht schwimmt der Fisch aber auch aus dem Bild heraus, so, wie Christus aus unserem Leben hinfort schwimmt, vertrieben von neuen „Religionen“ wie Materialismus, Konsum, Machtdenken und Ellbogengesellschaft. Letztendlich ist keine Deutungen richtig – oder falsch. Denn genau das wurde von dem Künstler beabsichtigt. Die Deutung seiner Bilder lässt er offen – er überlässt sie uns - und gibt uns damit eine Art von Freiheit, die in unserer Gesellschaft gleichfalls so selten und so wertvoll geworden ist. Ein Interview … Abwesend sehe ich auf die Uhr. Es ist siebzehn Minuten vor zwölf. Schon zu dieser frühen Mittagsstunde brennt die Sonne unbarmherzig auf die Erde. Vielleicht liegt es an dieser Hitze. Gut einen Monat habe ich nichts mehr auf die Leinwand gebracht. Vielleicht ist es die Hitze, die mein Hirn träge macht. Vielleicht bin ich aber auch nur ausgebrannt. Ich sitze in meinem Wohnzimmer auf dem Sofa, warte, und ertappe mich dabei, wie ich gedankenverloren zum Fenster sehe und versuche, wenigstens ein laues Lüftchen in Form einer Bewegung an den leichten, weißen Gardinen auszumachen. Nichts. Keine Bewegung. Die Luft steht und verweigert sich jeglicher Bewegung. So ähnlich wie bei mir. Mit dem Unterschied, dass ich keine Luft bin. Zumindest gehe ich davon aus. Automatisch verfalle ich in ein altes Ritual, etwas, das ich gar nicht mehr bewusst tue, etwas, was ich eigentlich schon lange hätte aufgeben sollen. Doch das Fleisch ist schwach … Oh ja, meine Finger wissen genau, was sie tun (ich muss es ihnen nicht erst befehlen), während sie das zu einem kleinen Zylinder geformten Stückchen Kork aus der Flasche ziehen. Rot – tiefrot – fließt die Flüssigkeit behäbig in das Rotweinglas. Es erscheint fast so, dass sich selbst der Wein bei diesen Temperaturen weigert, größere Strecken zurückzulegen. Sogar, wenn er nur aus der Flasche laufen soll. Aber schließlich sorgt die Erdanziehungskraft dann doch noch dafür, dass sich mein Glas füllt. Genieße ich den Wein eigentlich noch? Oder ist es schon eine Art Automatisierung, wie ich das Glas an den Mund führe und einen Schluck nehme? Brauche ich den Wein wirklich? Bestimmt nicht. Vielleicht rede ich es mir auch nur ein, dass ich mich in Anbetracht des Interviews auf diese Art und Weise locker machen muss. Nicht, dass ich nervös bin, nein, das nicht …, aber … Es klingelt. Hektisch sehe ich wieder auf die Uhr. Er ist zu früh. Macht nichts. Ich trinke das Glas aus, nehme es, ebenso die Flasche, und lasse alles in der Küche verschwinden. Vielleicht empfinden es manche Menschen als anstößig, wenn man schon vor zwölf am Mittag Wein trinkt … Schließlich stehe ich vor der Haustür, wische mir noch einmal über das Gesicht, um die Hitze, die mich einnebelt zu vertreiben. (Was ziemlich ergebnislos verläuft.) Ich öffne. Vor mir steht ein (junger?) Mann, dessen Alter sich schwer schätzen lässt. Sicher, er ist schon lange aus der „Halbstarkenzeit“ heraus, doch seine Augen verraten Jugendlichkeit, Unbekümmertheit, vielleicht sogar Naivität. Ebenso seine langen, nach hinten gekämmten Haare, die er zu einem Zopf gebunden hat. Andererseits lässt der dichte Bart, der sein Gesicht einrahmt, ein Gefühl von Weisheit aufkommen. Dunkle Haare, dunkle Augen, Haut von der Sonne gebräunt. Ich kenne diesen Mann nicht wirklich. Vor ungefähr einer Woche hatte er sich bei mir telefonisch gemeldet und um ein Interview gebeten. Er hatte meine Bilder in einer Vernissage gesehen und fand sie ausgesprochen interessant. Er sei freischaffender Journalist und auf der Suche nach Künstlern, um einen Bildband herauszubringen. Natürlich habe ich zugestimmt, letztendlich sollte das für mich kostenlose Werbung bedeuten, außerdem weckte seine ruhige, angenehm dunkle Stimme so etwas wie Sympathie in mir. Nun steht er vor mir, und je länger ich wie angewurzelt da stehe und meine Manieren vergesse, in dem ich ihn weder begrüße, noch hereinbitte, sondern ihn einfach nur anstarre, bemerke ich, dass diesen Menschen eine ganz besondere Aura umgibt. Ihn scheint das alles nicht weiter zu kümmern, er sieht zurück, sieht mir in die Augen, aber ganz anders, als ich es tue. Ich schäme mich fast. Endlich lande ich wieder auf unserer Mutter Erde. „Entschuldigen Sie!“, stammele ich und strecke meine Hand aus. Er lächelt. Er lächelt auf eine Art und Weise, dass ich mir wie ein kleiner Junge vorkomme, der von einem Erwachsenen bei einem Streich erwischt wurde, mit dem Schlimmsten rechnete, und nun ganz erstaunt war, dass dieser Erwachsene ihm verzieh. „Schmidt“, sage ich und versuche, zurückzulächeln. Wahrscheinlich gelingt es mir auch ganz gut. „Auch Schmidt!“, stellt er sich vor. Richtig!, denke ich. Wie konnte mir der Name nur entfallen? Ich bitte ihn nun endlich hinein und frage, ob ich ihm etwas anbieten kann. Mein erster Gedanke landet (natürlich) in einer blutroten Substanz, die aus Trauben gewonnen wird. Wenn er „ja“ sagt, dann kann ich ja auch noch ein Glas trinken … Herr Schmidt lehnt dankend ab, und erkundigt sich, ob er ein Glas Wasser haben könnte. „Wissen Sie“, sagt er plötzlich, nachdem er sich gesetzt und einen Schluck genommen hat – ich stehe noch und bin etwas unschlüssig, was ich denn nun trinken soll -, „Wissen Sie, Wasser ist doch eines unserer ehrlichsten, klarsten Substanzen, die wir auf unserer Welt haben, nicht wahr? Kein Stoff dringt so tief…“ Ich bin etwas irritiert. Was will er mir sagen? Ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken, ich habe Durst. Und auf einmal habe ich das Gefühl, dass ich einen Durst habe, den ich noch nie in meinem Leben zuvor verspürt habe. Dieser Durst ist merkwürdig … tiefgehend. Ich schaffe es nicht, über meinen Schatten zu springen. Etwas verlegen entschuldige ich mich und verschwinde kurz in der Küche. Es gelingt mir, das Glas und die Flasche hinter meinem Rücken zu verbergen, als ich wieder zurückkehre. „Stört es Sie, wenn …“, versuche ich zu fragen. Ich kann den Satz nicht zu Ende sprechen. Es ist erstaunlich und eigentlich unmöglich, dass er gesehen hat, was ich zu verbergen versuchte, aber er scheint es zu wissen. Vielleicht hat er es auch nur geahnt. „Nein, nein!“, sagt er, und ich glaube, so etwas wie Mitleid in seiner Stimme mitschwingen zu hören. „Trinken Sie ruhig.“ Wie er das Wort „Trinken“ ausspricht lässt mich kurz innehalten und wieder etwas blöd vorkommen. Ich setze mich und schaue auf das Etikett der Flasche, sehe die stilisierten Trauben – bewegen sie sich? Ist es so heiß, dass sie vor meinen Augen flimmern? Für den Bruchteil einer Sekunde schließe ich Selbige. Leben die Beeren? Haben sie mit einem Male ein Gesicht bekommen - ein schmerzverzerrtes -, rufen sie nicht um Hilfe, wohlwissend, was ihnen bevorsteht? Ahnen sie, dass sie von ihrer Mutter getrennt werden, um in einem Bottich zu landen und dort jämmerlich zu Tode gequetscht zu werden? Ich denke Unsinn! Doch es scheint irgendwie etwas in mir ausgelöst zu haben, denn ich schiebe Flasche und Glas von mir weg. Ich muss nicht schon wieder trinken! „Dumme Angewohnheit“, sage ich vor mich hin. Herr Schmidt lächelt wieder – wissend. „Tja, wir haben uns viel angewöhnt, ohne ernsthaft darüber nachzudenken“, sagt er. „Ob es aber nun tatsächlich eine dumme Angewohnheit ist, können letztendlich nur Sie alleine bestimmen. Ich werde mich hüten, ein Urteil darüber abzugeben. Sicherlich stimmen wir beide darüber ein, dass zu viel Alkohol keine gute Sache ist. Doch wer ist schon ohne Makel?“ Ich zucke mit den Schultern. Wahrscheinlich niemand. Unwillkürlich drängt sich das Sprichwort „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ in meinen Sinn. Ich kenne dieses Sprichwort. Doch lebe ich auch tatsächlich danach? Bin ich nicht oft genug (zu oft?) intolerant anderen Menschen gegenüber? Sind wir das nicht alle? Ich bin mir nicht ganz sicher. Ebenso wenig sicher bin ich mir darüber, warum ich plötzlich darüber nachdenke. Leicht schüttele ich den Kopf, wie ein nasser Hund, der sich des Wassers in seinem Fell entledigt. Nun, nass bin ich nicht und Fell besitze ich auch nicht. Aber ich schüttele mich, um den Gedanken loszuwerden. Herr Schmidt ist sicher nicht zu mir gekommen, um mich beim Nachdenken zu beobachten! Doch genau das scheint er zu tun, und es scheint ihm nicht im geringsten zu langweilen. Welch aufschlussreiches Interview, denke ich bei mir, während meine Mundwinkel zucken und sich zu einem Grinsen formen wollen. Ich beherrsche mich. Ich muss einen guten Eindruck machen. Was soll der Journalist sonst von mir denken? Dass ich zu diesen entrückten, leicht bis schwer durchgeknallten Künstlern gehöre, die fremden Menschen gegenüber merkwürdig reserviert sind? Der letzte Schluck Wein, der schon eine ganze Weile her ist, trocknet meine Kehle aus. Vielleicht sollte ich mehr Wasser trinken. Soll ja ausgesprochen gesund sein … HALLO? Würdest du dich bitte konzentrieren!?, ermahne ich mich. Das Schlagen der Turmuhr reißt mich entgültig aus meinen Gedanken und holt mich zurück in die Wirklichkeit, zurück in mein Wohnzimmer, zurück zu dem freundlichen Journalisten, der mir gegenüber sitzt und nun zum Fenster sieht, als ob er das Glockenläuten sehen könnte. Mit seinem Blick scheint er auch ein wenig frische Luft durch das Fenster zu ziehen, zumindest bewegt sich die Gardine. Wir hören das Weinen eines kleinen Kindes. Das Geräusch weht mit der frischen Luft ins Zimmer. Herr Schmidt sagt kein Wort. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in Ordnung ist, wenn ich es ihm gleichtue. Wir horchen beide nur. Zum Weinen des Kindes gesellt sich plötzlich eine aufgebrachte Frauenstimme. Ihre Worte sind nicht genau zu verstehen, aber anhand des Klanges lässt sich interpretieren, dass sie das Kind ausschimpft. Nach einer Weile herrscht wieder Stille. In diese Stille hinein muss ich an die vielen, vielen Kinder denken, die an Hunger und durch Krieg sterben, die Weinen, die Schreien, die nur eins wollen: Liebe. Schon wieder hinterfrage ich mich selbst. Liebe ich meinen Nächsten? Mein Körper macht eine Bewegung, die irgendwo zwischen Schulterzucken und Kopfschütteln liegt. „Die Welt ist grausam“, sage ich. Herr Schmidt schaut mich lange und eindringlich an. Niemand wird gerne so angesehen, es sei denn, es handelt sich um einen sehr nahe stehenden Menschen. Doch sein Blick ist mir nicht unangenehm. „Nein“, widerspricht er mir. „Die Welt ist nicht grausam. Wir sind es. Wir – die Menschen – haben diese Welt zu einem grausamen Ort gemacht. Nein!“, wiederholt er nochmals. „Die Welt ist nicht grausam. Wir Menschen sind grausam.“ Es durchzuckt mich. Wie Recht er doch hat. Wir sind im Laufe der Zivilisation alle so bequem geworden, nicht nur in dem, was wir tun, sondern vor allem in dem, was und wie wir denken … und glauben! Natürlicher ist es viel einfacher, das Leid dieser Welt der Welt als solches zuzuschreiben, aber tatsächlich sind wir es doch, in deren Händen es liegt, diese Welt in einen paradiesischen Ort zu verwandeln. Zugegeben. Dieser Weg, dieser Weg, der uns alle angeht, ist der bedeutend schwierigere. Aber lohnenswerter ist er in jedem Fall. Wir müssten uns zurückbesinnen, auf die wahren Werte im Leben, auf die Essenz unseres Glaubens. Doch wie soll man es in die Köpfe der Menschen bekommen? Man müsste sie schon prügeln … „Man kann niemanden zwingen!“, sagt Herr Schmidt sanft, aber bestimmt. Habe ich laut gedacht? Habe ich vor mir hingemurmelt? Kann er meine Gedanken lesen? „Die Würde des Menschen ist unantastbar, nicht wahr?“ Nun kann ich mir ein Grinsen doch nicht verkneifen. „Das ist leicht gesagt …“ „Sicher. Doch was ist so schwierig daran, es in die Tat umzusetzen? Was hindert uns? Was ist so schwierig daran, Gott wieder in unser Leben zu lassen, ihn zu begrüßen, ihn in uns aufzunehmen? Beten Sie?“, fragt er mich ganz unvermittelt. Ich antworte nicht sofort, vielleicht bin ich zu langsam, oder er ist zu schnell, oder beides. „Beten ist wichtig. Doch noch wichtiger als das Beten ist, dass man versteht. Dass man glaubt. Denn wir leben nicht vom Brot allein. Wir leben durch Gottes Wort, aber nur dann, wenn wir wahrlich glauben, und es nicht aus dem Grund der Gewissenserleichterung tun.“ „Sonntags in die Kirche, Montags schlägt er seine Frau“, die Textzeile eines Liedes einer deutschen Band kommt mir in den Sinn. Nun scheine ich diese Zeile auch zu verstehen. Eigentlich erschreckend, was aus uns geworden ist. Wie wir den Deckmantel der Religion benutzen und ihn zu unseren Gunsten verfälschen. „Ich begreife, glaube ich, was Sie meinen“, sage ich, bin mir aber wirklich nicht sicher. „Wenn man aber die zehn Gebote nimmt – die sind ja wirklich nicht schwer zu verstehen. Liebe und achte Vater und Mutter zum Beispiel. Was ist daran nicht zu verstehen?“ „Stellen Sie mir diese Frage, oder stellen Sie sie sich selbst?“ „Ähh …“ Ich gebe etwas heiße Luft von mir und denke laut über das nach, was ich gerade gesagt habe. „Na ja, man soll seinen Vater und seine Mutter ehren. Das ist ja auch selbstverständlich!“ Er lächelt, als hätte ich den ersten Teil eines Rätsels gelöst, oder wäre zumindest auf dem richtigen Weg. Plötzlich klopft ein kleiner Teil meines Hirnes an und ruft mir in Erinnerung, dass es selbstverständlich ist, seine Eltern zu lieben. Selbstverständlich! Eben! Eben! Warum also wird noch einmal gesondert darauf hingewiesen? Vielleicht ist dieses Gebot ja viel umfassender zu sehen. Denn schließlich hat ein Wort im hebräischen Original mehrere Bedeutungen. Vielleicht werden mit Vater und Mutter ja gar nicht die leiblichen Eltern gemeint. Vielleicht ist der Vater der Geist und die Mutter der Körper. ( Das Geistige und die Natur? Das Überirdische und das Irdische? Gott und die Welt? ) Wäre dieses Gebot nicht viel umfassender? Es ist wohl doch nicht so einfach zu verstehen. Haben wir die ganze Zeit geglaubt ohne zu verstehen? Mir wird heiß und kalt – gleichzeitig. „Es ist schön zu sehen, dass sie nachdenken. Im wahren Glauben an Gott liegt das Licht der Welt“, fährt er fort. „DAS Licht. Ich gebe gerne zu, dass wir oft einen langen, schmerzerfüllten Weg gehen müssen, um das Licht zu sehen und es zu erfahren. Aber selbst Jesus, der Jesus, an den die Christen glauben, musste erst unfassbar leiden, bis er auferstehen konnte. Seine Erleuchtung, sein Licht, vertreibt die Düsternis aus unserer Welt. Wir werden nicht in einen mit Liebe gefütterten „Zaubermantel“, - der uns vor allem Übel bewahrt -, aus Gottes hauseigener Produktion ausgestattet. Das Leben fordert seinen Tribut, es werden immer wieder dunkle Wolken an unserem Horizont auftauchen, das ist das Leben, und so soll es sein. Wir können es in immerwährender Dunkelheit verbringen, glauben – fest daran glauben -, dass sich alles gegen uns verschworen hat. Ich denke vielleicht anders als Sie, aber ich glaube, dass die Widrigkeiten des Lebens notwendig sind, um daran zu wachsen. Wir können daran auch zu Grunde gehen. Doch es steht uns frei, uns zu öffnen, uns Jesus zu öffnen, und DAS Licht zu erfahren. Denn auch in der Dunkelheit ist Licht, wir müssen es nur ergreifen. So wie auch Jesus: Er sah den Weg in der Unterordnung der Notwendigkeit. In dem er sich dem Zwang beugte, überwand er ihn. Er triumphierte, weil er die Finsternis zum Quell des Lebens machte, die das Leben nährt. Nie könnten wir die wahre Liebe erfahren, wenn nicht Beschränkung, Widersprüche, Anfechtungen und Leid unser Los wäre.“ Ich muss schlucken. Einige Sekunden lang bekomme ich kein Wort über die Lippen. Dann starte ich einen Versuch, eine Erklärung abzugeben. Nicht, um mich recht zufertigen – na, ja, vielleicht doch -, doch vor allem, um mir klar über mich selbst zu werden. „Manchmal komme ich mir vor wie ein Stein.“ Der Vergleich ist bestimmt an den Haaren herbeigezogen, doch sein Blick verrät mir, dass er spürt, was ich meine. Er legt eine Hand an sein Kinn, fährt mit Daumen und Zeigefinger durch seinen Bart und wartet. Wartet darauf, dass ich weiterrede. „Wie ein Stein …“, wiederhole ich konzentriert. „Ich komme mir vor wie ein Stein, der ewig im Wasser gelegen hat. Das Wasser ist der Glaube. Er ist um mich, doch, angenommen, ich werde aus diesem Wasser genommen, so bin ich doch trocken und kein Tropfen Wasser ist in mir. Das Wasser ist absolut chancenlos.“ „Ja!“, seufzt er langgezogen. „Unsere Seelen sind hart wie Stein geworden. So gibt es keine Möglichkeit, Jesus in unsere Herzen zu lassen. Aber allein der Versuch, der Wille, der Glaube und wenn er nur klein wie ein Senfkorn ist, lässt uns erstarken und erleuchten. Wenn man glaubt, könnte man zu einem Berg sagen: „Hebe dich hinfort!“ Und es wird nach unserem Glauben geschehen. Aber vergessen wir nicht die Liebe dabei. Alles Wissen, aller Glauben - mag er auch so stark sein, dass er ganze Gebirgsketten versetzen könnte -, so wäre man doch ein Nichts ohne Liebe.“ „Darüber könnte man unendlich weiterdiskutieren …“ Er lächelt wieder. „Das könnte man wohl. Die Frage dabei ist, ob und was man damit erreicht. Das, was es zu verstehen gilt, ist klein wie ein Staubkorn und doch so groß wie die ganze Welt. Man wird nicht erhört, wenn man viele Worte macht. Man könnte auch sagen: In der Kürze liegt die Würze.“ Dieser Schmidt scheint so etwas wie Humor zu besitzen! Er beugt sich leicht zu mir hinüber, legt die Fingerspitzen aneinander, als wolle er beten und sieht mir in die Augen. Irgendwie hat sich der Ausdruck seiner Stimme verändert, es kommt mir fast so vor, als würden seine Stimmbänder keine Schallwellen aussenden, sondern irgendeinen Zugang in meinen Kopf gefunden zu haben. Denn so hört es sich an. Als wäre er in meinen Kopf. Aber ich fühle mich nicht eingeengt, sondern leicht und frei. Seine Stimme ist wie Balsam. „Unser Vater im Himmel!“, beginnt er und der Klang breitet sich in mir aus, wie ein Schluck guter, alter Wein. „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ „Amen!“, sage ich wie automatisiert. Das erschreckt mich. Ich kenne dieses Gebet – wer kennt es nicht? -, doch wie oft wird es leichtfertig einfach nur so dahingesagt? Verstehe ich (wir) es eigentlich? Haben wir es nicht einfach nur auswendig gelernt? Sind uns nicht mittlerweile ganz andere Sachen viel wichtiger? Habe ich nicht letztendlich auch zu diesem Interview zugestimmt, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich dadurch mehr von meinen Bildern verkaufen kann? Was hilft es mir denn, wenn ich alles Geld der Welt besäße, vielleicht die ganze Welt, aber Schaden an meiner Seele nehmen würde? Reichtum! Reichtum? Die Dunkelheit in dieser Welt ist Reichtum. Reichtum ist wie ein wildes Tier. Hat es einmal Blut geleckt, so ist es nicht mehr aufzuhalten und es wird unmenschlich gierig. Und so entsteht daraus ein Kreislauf, der kaum zu durchbrechen ist. Es ist leichter, ein Kamel durch ein Nadelöhr zu bekommen, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Ich besinne mich kurz auf meine Kindheit. Würden wir uns erniedrigen und wieder zu Kindern werden, zu Menschen mit kindlichem Gemüt, so gäbe es für uns einen Platz im Himmel. Je kleiner man sich im Leben macht, desto größer ist man im Himmelsreich!(?) Erniedrigen? Klein machen? (Sollten Kinder nicht sogar über uns stehen?) Nein, etwas in mir sträubt sich gegen diese Formulierung. Wie leicht könnte man diese Begriffe doch missdeuten. Ein Teil meines Gehirnes sucht fieberhaft nach dem richtigen Wort, das ausdrückt, was ich mit kindlichem Gemüt meine. Doch ich finde kein Wort dafür. Vielleicht gibt es gar kein Wort dafür. Vielleicht ist es ein Gefühl, das man nur erfahren und verstehen, aber nicht beschreiben kann. Wieder scheint er meine Gedanken erraten (gelesen?) zu haben, denn er nickt. Sicher ist er aber nur ein guter Beobachter mit einer Menge Menschenkenntnis. Wäre ja auch kein Wunder. Schließlich ist er Journalist. Er hat sich zurückgelehnt, sitzt wie am Anfang zuvor auf dem Sofa, dessen Polster sich unter seinem Gewicht so gut wie gar nicht durchdrücken. Er scheint irgendwie „leicht“ (schwerelos?) zu sein. „Den Armen gehört das Reich Gottes. Wehe den Reichen! Sie haben ihren Trost bereits gehabt. Sie sollten barmherzig sein und voller Liebe. Sie sollten vergeben und denen abgeben, die nichts haben und es nicht vergelten können. Der Mensch, der im Geringsten treu ist, ist auch im Großen treu. Wer im Kleinen ungerecht ist, ist es auch im Großen. Gott kennt unsere Herzen sehr genau. Geben ist seliger als nehmen. Jesus gab seinen Leib und sein Blut, nicht, um zu richten, sondern um zu retten. Selbst die, die sein Wort nicht hören wollen und nicht bewahren, richtet er nicht. Doch durch ihn finden wir Wahrheit und Leben, niemand kommt ohne ihn zum Vater. Lieben wir einander, so wie Jesus die Menschen geliebt hat. Hat er nicht den größten Beweis seiner Liebe erbracht? Er ist für uns gestorben. Niemand hat größere Liebe, als die, sein Leben für andere zu lassen. Selbst die Menschen, die einen hassen, sollte man nicht richten, denn auch sie hat Jesus geliebt. Sie haben ihn verspottet, gegeißelt, sie haben ihm ins Gesicht geschlagen. Er wurde bedrängt - er wurde geduldig. Geduld bringt Bewährung, Bewährung bringt Hoffnung.“ „Na, ja!“, werfe ich ein. „Die Gerechtigkeit bliebt aber doch des öfteren auf der Strecke. Ich meine, die andere Wange hinzu halten ist ja schön und gut, aber gerecht …? Liebe deinen Nächsten, ich weiß. Aber wenn der Nächste dieses Gebot vergessen hat, was dann?“ „Uns zu rächen ist nicht der Sinn. Geben wir Gottes Zorn Raum. Gerecht werden wir nicht durch Gesetze, sondern durch den Glauben an Jesus. Es ist doch so simpel. Würden wir uns alle an Gottes Gebote halten, ausnahmslos, wirklich alle, und alle würden diese Gebote verstehen und lieben, was bräuchten wir Gesetze von Menschenhand? Gottes Gebote sind gerecht. Nicht Hass beendet Hass, sondern Liebe. Liebe deinen Nächsten! Dieses Gesetz ist wahrlich gerecht. Dieses Gesetz ist Leben. Jesus ist unser Leben. Jesus ist das Gesetz. Achte den anderen höher als dich selbst, und das Licht wird die Welt bescheinen.“ Er grinst mich das erste mal spitzbübisch an. „Dass man hin und wieder dabei auf die Nase fällt, ist normal. Aber wenn man dadurch seinen Glauben nicht verliert, macht einem das nicht viel aus, denn Gott hilft einem immer wieder hoch. Warum auch nicht? Letztendlich ist es doch nur einleuchtend, denn wer Gott liebt, den liebt auch Gott.“ „Und alle anderen auch!?“ Erst wollte ich den Satz als Aussage formulieren, aber irgendwie ist eine Frage daraus geworden. Sein Grinsen verliert sich, wird wieder zu einem milden Lächeln. Zu einem glücklichen Lächeln. „Wie schön!“, sagt er. „Ich freue mich. Sie haben es verstanden.“ Da er wahrscheinlich Gedanken lesen kann, gehe ich davon aus, dass er auch das imaginäre Fragezeichen, das über meinem Kopf schwebt, sehen kann. „Sie haben es verstanden!“ Das Fragezeichen wird immer größer. „Ähh …?“, gebe ich von mir. „Zweifeln Sie nicht. Ich spüre ganz genau, dass Sie es verstanden haben. Glauben, Hoffen, Lieben. Diese drei hören niemals auf. Das ist der Weg. Und das größte unter ihnen ist die Liebe. Liebe erträgt alles, Liebe glaubt alles, Liebe hofft, Liebe erduldet. Wer Gott liebt, überwindet sogar den Tod. Glauben ist Geist. Gott ist Geist. Geist ist Freiheit. Geist ist ewig.“ Allmählich hebt sich so etwas wie ein Schleier von meinen Augen. Ich gewinne den Eindruck, dass ich es tatsächlich verstanden habe. Herr Schmidt nimmt sein Glas und trinkt den letzten Schluck. Schließlich steht er langsam auf. Ich bin überrascht. Will er denn schon wieder gehen? Wir haben uns gar nicht über meine Bilder unterhalten. Tatsächlich reicht er mir die Hand. Ich ergreife sie wortlos und begleite ihn zur Tür. Hat er eigentlich erfahren, was er von mir wissen wollte? Die Frage brennt mir auf der Zunge, ich muss sie unbedingt loswerden. „Und, äh, die Bilder?“ Wie ein Bruder legt er mir eine Hand auf die Schulter. Ja, er kommt mir vor wie ein älterer Bruder, obwohl er bestimmt nur halb so alt ist wie ich. „Ich habe ihre Bilder doch bereits gesehen. Und schließlich wollte ich den Menschen hinter diesen Bildern kennen lernen. Und das habe ich getan, nicht wahr?“ Er dreht sich um, macht einen Schritt über die Türschwelle und seine Gestalt scheint in der Sonne zu leuchten. „Ach!“, sagt er plötzlich. „Das hätte ich fast vergessen.“ Er reicht mir eine kleine Visitenkarte und hebt noch einmal die Hand zum Abschied. Ich tue es ihm nach, blicke dabei auf die Karte. Es steht weder eine Telefonnummer, noch eine Adresse darauf. Nur:

    Auf der Rückseite steht auch nichts weiter. Ich runzele die Stirn, sehe ihn an. (Ich brauche ja wohl nichts zu sagen, er weiß es ja ohnehin schon.) „Wenn Sie mich brauchen, werde ich da sein!“, verspricht er. „Ich bin eigentlich immer da. Es kommt nur darauf an, dass man mich auch wahrnimmt.“ Er geht. Er ist fort. Er ist schon eine ganze Weile fort, bis ich endlich die Tür schließe. Ich weiß nicht warum, es zieht mich in die Küche, doch ich habe kein Verlangen nach Rotwein, ich entnehme dem Kühlschrank eine Flasche Mineralwasser. Kurz vor der Wohnzimmertür halte ich inne. Meine Füße tragen mich fort von diesem Ort, in mein Atelier. Schließlich setze ich mich in meinen Sessel, der nach hinten versetzt, aber genau vor einer Leinwand platziert ist. Ich brauche diesen Sessel, denn er dient mir zur Entspannung, wenn ich beim Malen einfach einmal inne halten und das Geschaffte betrachten muss. Nun, sagt die Leinwand zu mir, du hast noch nichts geschafft, was du betrachten könntest! Sie starrt mich an. Ich starre zurück. Nicht sehr schön, so eine weiße Leinwand. Sie sollte dringendst bemalt werden! In genau diesem Moment dringen Bilder auf mich ein, eine Unzahl, voller Kraft, voller Gefühl. Ich kann nicht erkennen, ob sie etwas mit diesem seltsamen „Interview“ zu tun haben, oder ob sie aus meinem Glauben entspringen, ich kann sie selbst nicht wirklich interpretieren. Es erschlägt mich fast. Meine Inspiration! Sie ist wieder da! Voller Tatendrang springe ich auf und will meine Utensilien vorbereiten. Plötzlich fällt mit ein Papierschnipsel auf, der langsam zu Boden schwebt. Nein! Es ist kein Papierschnipsel! Es ist die Visitenkarte von Herrn Schmidt. Das hat er nicht verdient, denke ich, dass seine Karte auf dem Boden liegt. So ein netter Mensch! Behutsam lege ich die Karte auf das kleine Tischchen neben dem Sessel. Zufällig (?) fällt mein Blick wieder darauf. Seltsam, diese Initialen: (Wingdings) Ich sehe genauer hin, - was ist das? Kurz schließe ich die Augen, die Hitze scheint mir die Sinne zu vernebeln. Ich öffne sie wieder und muss mich berichtigen. Meine Sinne sind nicht vernebelt. Es ist absolut eindeutig! Die Zeichen auf der Karte verschwinden! ( Ich muss jetzt keinen Rotwein trinken …… Ich habe es verstanden!$)Ich lebe noch, ich habe alles überlebt. Die Reise ist noch weit, bis wir vor unserem Richter stehen, doch werde ich noch öfter diesen Sternenhimmel sehen. Ich möchte von den großen Qualen unserer Generation erzählen; doch was in diesem Buch enthalten ist, ist verständlicherweise nur ein kleiner Teil davon. Es sind persönliche Erinnerungen, und vielleicht – ganz vielleicht – teilen einige Menschen diese Erinnerungen.Mit dem Zug fuhr ich weiter nach Cuxhaven. Alle Abteile waren überfüllt mit Menschen, mit Körpern, es war eine fürchterliche Luft in den Abteilen. Wer erst im letzten Moment kam, wurde durchs Abteil – Fenster gehievt. Ich sah, wie kurz vor der Abfahrt des Zuges eine Frau, die noch mit den Beinen aus dem Fenster hing, bestohlen wurde. Ein Passant, der auf dem Bahnsteig stand, klaute ihr die Schuhe von den Füßen weg!Was für Zeiten! Die Reise ging weiter, aber mit vielen Umleitungen. Ich werde wohl nie die schrecklichen Bilder vergessen. Bremen, Hamburg und so weiter, es war alles ein Trümmerhaufen. Hier und da ein Schornstein oder ein verlassener Kirchturm. Es war ein Bild des Grauens. Doch der Krieg war noch nicht zu Ende. Es wurde gerade etwas dunkel draußen, und eine laute Stimme ließ uns alle plötzlich zusammenzucken: „ Alarm! Alarm! Raus aus dem Zug, in Deckung gehen, ich muß zugeben, es war ganz schön aufregend.Endlich Cuxhaven. Im Zug selbst lernte ich eine junge Frau kennen, die mich bis zum Hotel begleitete. Ordnungsgemäß meldete ich mich bei der Rezeption an und wurde auch gleich der Dame des Hauses vorgestellt. Sie war mir gut zugetan. Sie meinte, wenn ich Lust hätte, dann könnte ich bei ihr eine Lehre antreten. Natürlich bejahte ich glücklich, aber erst wollte ich mit meiner Mutter sprechen. Der ergreifende Moment kam, Mutti und ich lagen uns in den Armen, und wir weinten Freudentränen. Nun hieß meine neue Heimat also Cuxhaven.Ich lernte nette Leute kennen und gewöhnte mich schnell an meinen neuen Arbeitsplatz. Mutti freute sich, denn endlich war für eine kurzeZeit Frieden eingekehrt. Meine Arbeitskollegen waren auch sehr gut zu mir.Unser Küchenpersonal setzte sich aus zwei Franzosen, einem Holländer und zwei Deutschen Köchen zusammen. Mein Chef, Herr K. , war früher sogar Chefkoch in Hamburgs berühmten Vierjahreszeiten gewesen.Die ersten Wochen arbeitete ich in der Fischküche,Die sich im Erdgeschoss befand. Gab es Fliegeralarm,blieben wir im Keller. E. V. , unser zweiter Chefkoch, malte bei Alarm Bilder an die Wand. Irgendwann besah ich mir die Zeichnungen genauer. Es waren Englische Flugzeuge, die Bomben auf Cuxhaven warfen. Ein seltsames Gefühl. Ich war ja Deutsche, und mein Kollege malte englische Flugzeuge, die Deutschland Bombardierten! Vergessen wir nicht, dass wir eigentlich Feinde waren. Ein Paradoxon des Krieges: Wir hatten Angst, und er freute sich, wenn im Radio gemeldet wurde, dass sich englische Flieger über Scharhörn befanden. Es war ein unheimliches Gefühl, wenn man das Dröhnen der Motoren hörte, und wenn es ganz schlimm war, flüchteten wir voller Angst in den Luftschutzkeller. E. V. freute sich dann, malte Flugzeuge und Bomben an die Wand. Mein Chef wohnte im Hafen, in einem alten Zollhaus(H. Lloyd), und eines Tages fielen Brandbomben auf Cuxhaven. Dabei wurde die Privatküche von unserem Chef verwüstet.Ich musste dann mittags, vom Hotel aus, seiner Frauwarmes Essen bringen, was ich selbstverständlich auchgerne tat – allerdings nicht ganz uneigennützig - ,denn sokam ich zwischendurch mal an die frische Luft. Es tat gut, den Küchengeruch loszuwerden, endlich mal etwaszu atmen. An einem diese Tage ergab sich Folgendes:Vor dem alten Zollhaus säumte eine Baumallee die Straße. Ich schlenderte mit dem Essen in der Hand an den Bäumen vorbei, entschied mich für eine kleine Verschnaufpause, um die frische Luft zu genießen und lehnte mich gegen einen der Bäume. Ich schloss die Augen. Auf einmal hörte ich ein Brummen. Dieses Geräusch kannte ich nur zu gut, was mich jedoch dabeiäußerst beunruhigte, war die kurze Distanz, aus der das Geräusch kam. Ich sah in den Himmel. Ein Flieger mit amerikanischem Zeichen, direkt im Tiefflug, kam auf mich zu, und schoss, wie wild geworden, in den Baum, andem ich vor kurzem noch angelehnt war. Was um alles in der Welt sollte das? Ich trug meine weißen Küchenklamotten, und war dadurch wohl kaum zu übersehen! Ich war Zivilist! Gut, es war Krieg, aber warum schossen sie auf Zivilisten? Aber der Pilot lachte mich nur aus seinem Fensteran und schoss immer wieder in den Baum. Seltsam, dachte ich. Es war wie eine wirklich miese Nummer, ich kam mir vor wie im Zirkus. Die Frage, ob er sich einen „Spaß“ mit mir erlaubte, oder ob er den Befehl dazu hatte, auf Zivilisten zu schießen, werde ich wohl nie beantworten können. Später – sehr viel später – habe ich meinen Kindern die Einschüsse im Baum gezeigt. Die Patronen konnte man noch gut sehen. Leider gibt es die Bäume mittler-weile nicht mehr. Den Piloten, der mir sagen könnte, warum er auf mich geschossen hatte, sicherlich auch nicht. Frau K. , die Frau von meinem Chef, wunderte sich sehr, dass mir nichts weiter geschehen war. Mal abgesehenvon dem Schock, den ich erlitt. Als eben dieser Schock endlich abgeklungen war, ich mich wieder besser fühlte und meinen freien Tag hatte,schlenderte ich die Deichstraße hinauf zum Wasser. Das Meer! Wie schön es doch ist! Es war gerade Hochwasser, und ich lief ein Stück auf der Brücke (Alte Liebe) weiter zum Deich, und just in diesem friedlichen Augenblick:Man soll es kaum glauben – wieder Fliegeralarm! Rauschen, dröhnen, brummen, fauchen. Ich traute nicht nur meinen Augen nicht, nein, sie fielenmir aus den Höhlen. Es ging alles so schnell, es war allesso unfassbar. Das Meer verwandelte sich in die Glut der Hölle, es brannte, kochte – das Meer brannte und siedete! -, lauter kleine Flammen züngelten giftig auf der Wasser - Oberfläche, bereit dazu und gierend, alles lebendige zuverschlingen. Es war ein großer Phosphorteppich, der eigentlichCuxhaven treffen sollte. Im nachhinein hatte man erfahren, dass man von oben – aus Fliegersicht – ein Spiegelbild auf dem Wasser sah und es für Cuxhaven hielt. Sie haben auf das Wasser geschossen! Pech für die Alliierten – für die Bürger der Stadt Cuxhaven war es unvorstellbar großes Glück.Natürlich gab es nun etwas zu berichten auf meinem Arbeitsplatz. Bislang war Cuxhaven nämlich noch ziemlich verschont geblieben – im Gegensatz zu vielen anderen Hafenstädten. Der Phosphorteppich war jedoch noch lange nicht alles. Viele Häuser waren den Erdeboden gleichgemachtworden, zum Beispiel die Altenwalder Chaussee. Dort hatte Hitler seine Geheimwaffe ausprobiert. Der Kämmererplatz und die Post, auf deren Dach die Flakabwehr stand, wurden zerstört. Durch die Detanation wurden auch sämtliche Türen und Fenster im Hause (Dölles Hotel) aus den Angeln gerissen. Wir hatten sehr viel Glück, denn wir waren alle im Luftschutzkeller, und keiner ist zu Schaden geklommen. Letztendlich ging alles dem bitteren Ende zu. Hitler hatte verspielt, und die Truppen der Engländer und Amerikaner kamen immer näher. Der Volksturm gab auf, es waren ja auch nur Kinder und alte Männer, der klägliche Rest des Wiederstandes. Alle hatten begriffen, dass das Spiel aus war. Zwar kein Fliegeralarm mehr aber dafür eine Besatzungsmacht. Was kommt wohl jetzt auf uns zu? Da gab es schließlich noch den Admiral Sch., der mit seinem Wagen durch die Stadt fuhr, und aus einem Lautsprecher dröhnte der bekannte Befehlston. Alle Bürger von Cuxhaven sollten mit Panzerfäusten ausgestattet werden. Und sobald sich auch nur der Hauch eines englischen Panzer blicken ließ, sollten wir aus den Fenstern schießen, was die Rohre hergaben.Kurze Zeit später hat der Sohn des Admirals vom Absch. Die Sache – Gott sei Dank – rückgängig gemacht. Warum? Ganz einfach. Denn später erfuhren wir, dass die Engländer den Befehl hatten, die ganze Stadt in die Luft zu sprengen, sollte sich auch nur ein Teil einer Panzerfaust zeigen.Als die Engländer im Begriff waren einzurücken, kam plötzlich der Befehl, alle Fenster zu schließen und die Gardinen zu zuziehen. Das nannte sich verdunkeln. Der Einmarsch begann. Neben mir befanden sich noch drei Freundinnen in meiner Wohnung. Sie waren aus dem Hotel am Deich geflüchtet. Trotz der so genannten Verdunkelung konnten wir durch ein kleines Loch in den Gardinen alles, was auf den Straßen passierte, beobachten. Wir verfolgten auch den Werdegang des Hotels. Ich wohnte schon seit vier Wochen nicht mehr dort – zum Glück, muss ich sagen!Mutti ist nach Duhnen zu Freuden geflüchtet. Und so war mein Chef mit seiner Familie und seinem Geschäftsführer,Herr A., sowie unserem Küchenchef alleine im Hotel. Sie harrten der Dinge, die da kommen sollten. Das Hotel wurdebesetzt, und vorerst durften die Anwesenden bleiben. Sie arbeiteten für die Besatzer - englische Offiziere.Meine Freundinnen und ich erlebten sehr merkwürdige Dinge. Neben dem Haus, das einer Frau P. gehörte, war der Eiergroßhandel Bartels. Plötzlich klopfte es an unserer Tür. Verängstigt tauschten wir einige Blicke. Wer konnte das sein? Engländer?Oder ein Deutscher, der Zuflucht suchte? Das Klopfen wiederholte sich. Jetzt lauter, fordernder, gewaltbereiter.Ob Engländer oder Deutscher, diese Frage beantwortetesich nun von selbst. „Open the door!“, brüllt es von vor der Tür. Wir kamen der nicht freundlichgemeinten Aufforderung sofort nach. Die Engländer stürmten mit Maschinengewehren in der Hand das Zimmer.Wir mußten uns flach auf den Fußboden legen, während sie es sich gemütlich machten.Dann kamen sie zur Sache. Wir „durften“ ihnen erstmaldie Stiefel sauber putzen. Meine Freundin I. mußte mit ins Schlafzimmer. Es war klar, was mit ihr passierte M. sprang auf und schrie die Engländer voller Wut an: „IHR SCHWEINE!“ Ich weiß nicht, wie viel deutsch die Engländer damalsverstanden, vielleicht lag es auch einfach an dem Tonfall, den M. angeschlagen hatte. Denn als Antwort schlugen sieihr ins Gesicht. Ich hielt mich zurück und kochte Kaffeeaus dem Pulverkaffee, den sie mir vor die Füße schmissen.So blieb ich von ihnen verschont. Ich war schon verängstigt genug, also traf mich fast der Schlag, als es wieder an der Tür klopfte. Ein Arbeitskollege von mir stand in der Tür. Er war Franzose, folglich jemand, der von den Engländern befreit worden war. Na toll, dachte ich, Engländer im Haus und jetzt auch noch ein Franzose!Er war jedoch glücklich wie noch nie, konnte auch noch englisch sprechen, und behauptete den Engländern gegenüber, daß ich seine Freundin sei. Die Soldaten verließen uns schließlich.M. und I. wollten eigentlich nicht bleiben, aber wir durften ja Tagelang nicht auf die Straße, weil eine Ausgangssperre verhängt worden war. Eingesperrt im eigenen Haus.Später bekam ich zeitweilig Besuch von meinerFreundin M. Sie hatte sich einen Mahd angelacht, und heiratete ihn später. Es war die erste Hochzeit nach dem Umsturz. Zur gleichen Zeit lernte ich Karl Schmidt kennen, der eigentlich Mutti besuchen wollte, sich aber unsterblich in mich verliebte. Manchmal sind Zufälle Schicksal. Vielleicht auch die Geschichte, wie ich Karl kennen gelernt hatte. Ich verbrachte die großen Ferien mit Freunden von M.im englischen Club. M. Freunde gehörten zum Empire Cordles so hieß das kombinierte Kriegsschiff.Es blieb nicht ohne Folgen.Denn Karl kam gerade noch zur rechten Zeit.Er hatte just seine Scheidung hinter sich gebracht, sein Haus und Hof seiner Familie überlassen, und er sehnte sich nach Geborgenheit. Dann kam das dicke Ende, ich mußte ihm beichten, daß ich schwanger war. Er lächelte und meinte, daßwir das Kind auch noch groß bekommen. Gott sei dank,ein Vater für mein Kind! In Hamburg-Ottensen brachteich meine kleine Tochter zur Welt. Karl fügte sich seiner Rolle als liebender Vater. Er baute ein Himmelbett für die kleine, und Abendssaß er vor ihrem Bett und spielte ihr auf dem Schiffer-klavier vor.Karl war sehr musikalisch und konnte auch nach Noten Klavier spielen.1945 im Mai sind Nachrichten durchgesickert, daß vieleSchiffe torpediert wurden. Das Tragische dabei war, daßauch KZ Häftlinge auf den Schiffen waren. Sehr viele Menschen sind dabei umgekommen. Hitler saß in seinem Bunker in Berlin – die Reiskanzlei - ,zehn Meter unter der Erde. Er wußte angeblich nichts vonall dem Leid, das kurz vor dem Umsturz noch geschah.Da ich in Norddeutschland lebte, erfuhr ich erst vielspäter, was sich in Ostdeutschland so ereignet hatte.Es war alles zerstört worden, so große schöne Städtewie Dresden und Leipzig…..Da hatten wir noch Glück im Unglück, es hätte bei uns in Cuxhaven wirklich Schlimmer sein können.Zwar bin ich Jahrgang dreiundzwanzig, rechne michaber nicht zu den Trümmerfrauen, die vor einem Nichtsstanden, und aus den Trümmern Habseeligkeiten gesucht haben, um nicht wie ein Tier zu enden. Schließlich tauchten erste Feldküchen auf, damitÜberlebende eine warme Malzeit hatten. Hauptsächlich bestand diese aus Weiskohlsuppe, und dafür brauchten wir alle Lebensmittelkarten. Pro Tag fünf Gramm Fett, ein wenig Zucker, Mehl und Magermilch, fünfzig GrammFleisch und etwas Fisch. Als die Besatzer kamen, herrschte erst mal Plünderungs- freiheit, das hieß, daß die Soldaten alles, was wir an Werten noch besaßen, konfiszieren durften. Es war wie Diebstahl. Am schlimmsten litten die Hotelbesitzer, denn ihnen wurde alles „konfisziert“ was einen Wert besaß. In einem Hotel natürlich sehr viel. Nach einigen Wochen wurde die Plünderungsfreiheit, die ja Gesetz war, aufgehoben. Die Amerikaner lieferten uns Maisbrot. Das sah zwar sehr gut aus, lag uns aber schwer im Magen. Die Russen lieferten uns Sonnenblumenöl. Jeder durfte sich einen Eimer voll Sonnenblumenöl vom Bahnhof abholen. Das war toll, denn man konnte Fisch braten und kleine „Berliner“ backen – welch ein Ereignis.Und plötzlich ging – anfangs fast unbemerkt – ein geschäftliches Treiben über die Bühne. Das nannte sich Schwarzmarkt. Alles, was auch nur einbisßchen Wert besaß, wurde verhökert. Hitlers Buch„Mein Kampf“ erzielte bei Engländern und Amerikanerndie besten Preise. Für das Buch boten sie bis zu zehn Stangen Zigaretten. Übrigens wurde am 6. Oktober 1945in München der Original – Bleisatz dieses Buches öffentlicheingeschmolzen. Aus der Bleimasse wurden die erstenDruckplatten für die S. Zeitung gefertigt.ch erinnere mich, daß meine Mutti ihr gesamtesSilberbesteck auf dem Schwarzmark umtauschte, und wir dann in Hamburg auf St. Pauli den gesamten Erlös verfraßen. Doch bevor wir das tun konnten, mussten wir erst mal nach Hamburg, per Schiff ( die Jan H.) bis nach Blankenese, schließlich durch die Trümmer – es dauerte sehr lange.Der Schwarzmarkt selber war ja verboten, und wenn es eine Razzia gab, wurde einem alles abgenommen. Wenn man dann noch frech wurde, konnte man schon mal für drei Tage ins Gefängnis (Kallebug) gesteckt werden.So hatte wohl jeder sein Erlebnis. In den Kneipen gab es nur Muckefuck (Malzkaffee),oder Heißgetränke (heißes Wasser mit Himbeersaft). Auf einmal konnte man von Altona aus nach Cuxhaven fahren. Nun gab es auch wieder eine Bahn-polizei. Man wurde in Cuxhaven von der deutschen und englischen Bahnpolizei kontrolliert, und wehe, du hattest Zigaretten dabei! Die Deutschen setzten dann gleich die Engländer davon in Kenntnis, und dann gab es Ärger. Aber trotz allem. Ich lebe noch, ich habe alles überlebt. Die Reise ist noch weit, bis wir vor unserem Richter stehen, doch werde ich noch öfter diesen Sternenhimmel sehen. Ich möchte von den großen Qualen unserer Generation erzählen; doch was in diesem Buch enthalten ist, ist verständlicherweise nur ein kleiner Teil davon. Es sind persönliche Erinnerungen, und vielleicht – ganz vielleicht – teilen einige Menschen diese Erinnerungen. Durch Ungerechtigkeit wird die Wahrheit niedergehalten. Die Beschneidung der Herzen, ist im Geist und nicht im Buchstaben geschehen. Das Deutschlandlied was vom Nationalsozialismus missbraucht wurde ist nicht mehr Zeitgemäß. Wenn manche Menschen unser Deutschlandlied hören, kommt bei ihnen ein Unbehagen und sogar Abscheu auf. Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder, eben so dumm wie völlig unzutreffend, „wie Marcel Reich Ranicki feststellte“. Genres Krimi.Kurzgeschichte Im Dorf gibt es ein unheimliches Geheimnis.Wie gemalt lag das Dorf mit seinen Höfen im Glanze eines unvergleichbaren Herbstes da. Es war einer der seltenen Tage, wo die Sonne fast so warm wie im Sommer war. Er sah aus dem Fenster mit Sprossen. Da wurde plötzlich dicht unter dem Fenster eine Leiter an die Hauswand angesetzt und er sah mit Schrecken Haare aus der Wand wachsen. Die Bäume die eine Freundin gepflanzt hatte waren viel zu groß geworden, jedenfalls viel größer, als er sich in den kühnsten Träumen vorstellen konnte, die Spitzen sah er nicht mehr durchs Fenster. Seine Gedanken waren ganz woanders. Doch egal ob Wolf oder Dämonen denn man erzählte ihm eine furchtbare Geschichte, die er kaum glauben konnte.Die Menschen die ihm das unfassbare erzählten waren ohne Mitleid für die Toten, da kamen bei ihm Bilder ins Bewusstsein wie ein Rudel Wölfe Menschen fressen.Ein Landstreicher und schändlicher Lump, wollte in einem alleinstehenden Haus übernachten, dass unbewohnt aus sah. Die Tür ging auf, gleichzeitig nahm er wahr, dass eine helle Stimme sanft mit ihm redete. Mach, dass du fortkommst, und gab Hans dem Landstreicher einen Stoss mit einem Stock. Hans sah den Mann erstaunt an und fragte: Darf ich hier schlafen. Die helle Stimme passte überhaupt nicht zu diesem bulligen Mann. Sein Name war Hugo, unser unheimlicher Dorfbewohner. Hugo war ein friedfertiger Mensch, aber immer auch unheimlich. Hugo kommt mit leichten Schritten, in solchen Momenten kommt dann der Gedanke, ist er ein Werwolf. Das ist noch nicht ganz klar geworden, ob er nun ein Werwolf ist oder zumindest Eigenschaften eines solchen hat. Hans fragte noch mal darf ich hier übernachten? Na gut sagte Hugo, aber trinke nicht aus den Flaschen, da ist Ethanol drin, es ist kein Schnaps, sondern der Wolf im Schafspelz.Zwei Tage später ging Hugo zur Polizei, vorher war er noch am Krankenhaus und sammelte Kippen. Die Polizisten fragten was er denn wolle? Hugo sagte: ihr könnt den Toten abholen, ich habe gesagt, dass er nicht aus den Flaschen trinken soll. Die Polizisten wollten wissen, wohin er denn jetzt gehen will. Er sagte „nach Hause“.Es war wie ein Witz, wie sie ihm dass erzählten, alle lachten und er verstand die Welt nicht mehr, sie lachten und waren fröhlich. Es erinnerte ihn an ein Rudel mutierter Werwölfe. Lachen steckt an, wie gähnen. Aber es war ihm nicht zum Lachen, denn Hans war wirklich Tod. Im Dorf wurde schnell, sehr schnell gehandelt. Wo Hans beerdigt wurde das kann er nicht sagen. Hugo war auch nicht mehr da, er kam in ein Heim, auch sehr schnell. Und das Haus wurde vollkommen renoviert, wie neu. Es gab auch ein Hugo in der Stadt, er war immer mit einem schweren Mantel bekleidet, im Sommer und im Winter. Er stand an den Bahnschranken, und wartete auf den Zug. Auch Hugo in der Stadt war Friedfertig, er gab jedem die Hand und war sehr freundlich. Eines Tages fand man Hugo als Wasserleiche. Ein Freund hatte Geburtstag, es war unsagbar still, kein Gedanke der Traurigkeit. Die Straße, die er immer befuhr war leer und kalt, ein Mann stand auf dem Fußweg mit seinem ganzen Besitz, er versuchte an der Kreuzung, angelehnt an eine Ampel bei einer Frau etwas zu erbetteln, sie war abwesend mit einem leeren Blick nach vorn. Seine Gedanken waren bei dem armen Bettler, der vielleicht lustiger und gesünder war als er. Der Landstreicher rauchte und brauchte Geld, sollte er etwas Geld den Landstreicher geben, man sagt doch: Geben ist seliger als nehmen. Als er sein Auto parkte, suchte er den Mann. Es war nicht schwer, er ging gerade über die Straße, er folgte ihn. Plötzlich und unerwartet war die Traurigkeit wieder da, er fühlte, wie sein Stolz und seine Würde in sein Herz stachen, aber er wurde erleuchtet von der Liebe. Es waren Bilder, in Sekunden wieder da, die für immer in sein Herz eingebrannt waren. Er ging weiter, wie in einem Tunnel mit leichten schritten, fast schwebte er. Wieder überquerten sie eine Straße, er benahm sich wie ein wildes Tier. Es kam ihm vor, als ob ein Zusammenhang da war. Das wilde Tier und die unerfüllte Liebe. War es ein Zufall, er kann es nicht sagen, aber es passierte sein Herz sah die unerfüllte Liebe wieder. Die Weisen schärfen uns ein, vor der Heimtücke unserer Begierden auf der Hut zu sein. Denn die Liebe umschlingt uns, um uns zu erwürgen. Wenn das Herzweh vor der Liebe käme, würden wir uns hüten, vor der Liebe.

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    3 Kommentare to “Das Licht der Welt”

    1. Karl-Wilhelm Schmidt (Karlwilismus) meint:
      29.Juni 2008 at 18:20

      Ich habe meine Kurzgeschichten in Archiv bei Autorenpool, aber wie geht es weiter?

      1.) Du hast mein Herz verzaubert, mit einem einzigen Blick.

      Die Liebe ist das Wunder meines Herzens.
      Es ist mein Verlangen, dich mit Liebe zu überschütten.
      Du hast mein Herz verzaubert, mit einem einzigen Blick.
      Durch deine Liebe zu mir, bin ich voller Glück,
      aber meine Augen sind voll Tränen.
      Wenn du mich doch nur lieben würdest, wäre ich voller Glück.
      Meine Gedanken drehen sich nur um dich,
      ich habe schon Sehnsucht wenn ich erwach.
      Wie kann man einen Preis gewinnen oder Auszeichnung?

      2.) Im Dorf gibt es ein unheimliches Geheimnis.
      Wie gemalt lag das Dorf mit seinen Höfen im Glanze eines unvergleichbaren Herbstes da. Es war einer der seltenen Tage, wo die Sonne fast so warm wie im Sommer war. Er sah aus dem Fenster mit Sprossen. Da wurde plötzlich dicht unter dem Fenster eine Leiter an die Hauswand angesetzt und er sah mit Schrecken Haare aus der Wand wachsen. Die Bäume die eine Freundin gepflanzt hatte waren viel zu groß geworden, jedenfalls viel größer, als er sich in den kühnsten Träumen vorstellen konnte, die Spitzen sah er nicht mehr durchs Fenster. Seine Gedanken waren ganz woanders. Doch egal ob Wolf oder Dämonen denn man erzählte ihm eine furchtbare Geschichte, die er kaum glauben konnte.
      Die Menschen die ihm das unfassbare erzählten waren ohne Mitleid für die Toten, da kamen bei ihm Bilder ins Bewusstsein wie ein Rudel Wölfe Menschen fressen.
      Ein Landstreicher und schändlicher Lump, wollte in einem alleinstehenden Haus übernachten, dass unbewohnt aus sah. Die Tür ging auf, gleichzeitig nahm er wahr, dass eine helle Stimme sanft mit ihm redete. Mach, dass du fortkommst, und gab Hans dem Landstreicher einen Stoss mit einem Stock. Hans sah den Mann erstaunt an und fragte: Darf ich hier schlafen. Die helle Stimme passte überhaupt nicht zu diesem bulligen Mann. Sein Name war Hugo, unser unheimlicher Dorfbewohner.
      Hugo war ein friedfertiger Mensch, aber immer auch unheimlich. Hugo kommt mit leichten Schritten, in solchen Momenten kommt dann der Gedanke, ist er ein Werwolf. Das ist noch nicht ganz klar geworden, ob er nun ein Werwolf ist oder zumindest Eigenschaften eines solchen hat. Hans fragte noch mal darf ich hier übernachten? Na gut sagte Hugo, aber trinke nicht aus den Flaschen, da ist Ethanol drin, es ist kein Schnaps, sondern der Wolf im Schafspelz.
      Zwei Tage später ging Hugo zur Polizei, vorher war er noch am Krankenhaus und sammelte Kippen. Die Polizisten fragten was er denn wolle? Hugo sagte: ihr könnt den Toten abholen, ich habe gesagt, dass er nicht aus den Flaschen trinken soll. Die Polizisten wollten wissen, wohin er denn jetzt gehen will. Er sagte „nach Hause“.

      3.)
      Abwesend sehe ich auf die Uhr. Es ist siebzehn Minuten vor zwölf. Schon zu dieser frühen Mittagsstunde brennt die Sonne unbarmherzig auf die Erde.
      Vielleicht liegt es an dieser Hitze. Gut einen Monat habe ich nichts mehr auf die Leinwand gebracht. Vielleicht ist es die Hitze, die mein Hirn träge macht. Vielleicht bin ich aber auch nur ausgebrannt.
      Ich sitze in meinem Wohnzimmer auf dem Sofa, warte, und ertappe mich dabei, wie ich gedankenverloren zum Fenster sehe und versuche, wenigstens ein laues Lüftchen in Form einer Bewegung an den leichten, weißen Gardinen auszumachen………….

      4.) Die unerfüllte Liebe, von Karl-Wilhelm Schmidt

      Nie hab ich so innig geliebt.
      Meine Gestalt ist jämmerlich vor Elend.
      Ach, uns rühmt es zu blühen,
      nicht nur in unseren Köpfen, auch in den
      Därmen,
      die Kraft des Unbewussten zu nutzen.
      So wird`s dann geschehen, wie ich es
      gedacht.
      Danach sehnt sich mein Herz, ich aber bin
      elend und voller Schmerz.
      Die Liebe umschlingt uns, Lebewohl zu
      mir, ein letztes Mal.
      Sie war reiner als der Schnee, und reiner als
      Milch.

      Die unerfüllte Liebe

      Eine Freundschaft hatte Geburtstag. Am diesem Tag war es in meinem Herzen unbeschreiblich ruhig, kein Gedanke an die Traurigkeit.
      Auf einer Straße treibe ich immer weiter, ich sah ein Mann auf den Fußweg mit seinem ganzen Besitz, er versuchte an der Kreuzung bei einer Frau etwas zu erbetteln, sie war empört, und schaute abwesend mit einem leeren Blick nach vorn. Meine Gedanken waren bei dem armen Bettler, dieser war eventuell lustiger und gesünder als ich, ich glaube er rauchte, seine Situation war wohl, dass er Geld brauchte? Sollte ich etwas Geld geben? Da fällt mir auch schon das Sprichwort ein, geben ist Seliger, als nehmen.
      Er ist dadurch reicher als ich, auch wenn ich weiser bin als er.
      Als ich meinen Wagen parkte, suchte ich den Mann. Es war nicht schwer, er ging gerade über die Straße, ich folgte ihn, und plötzlich, unerwartet war die Traurigkeit da, ich fühlte sie. Bilder waren in Sekunden wieder erschienen, die Eingebrand sind in meinem Herzen.

      Wenn das Herzweh vor der Liebe käme, würden wir uns hüten, vor der Liebe. Aber die Wollust geht voran, um uns zu täuschen, und verbirgt uns ihre unerfüllte Liebe.

      Erinnern Sie sich?

      Wie schön ist sie gegangen in ihren Schuhen, die Fürstentochter.
      Ich habe die Bibel gelesen, und habe an Sie gedacht.
      Sie war reiner als der Schnee, und weißer als Milch.
      Ihr Leib war rötlicher als Korallen, ihr Aussehen war wie Saphir.
      Ihr Nabel war wie ein Glas Tee, den niemals es an süße mangelte.
      Ihr Schoß war wie ein Geschenk von Lilien Umstanden.
      Ihre Brüste waren Weintrauben am Weinstock.
      Ihr Atem war wie der weiche Geruch der Äpfel.
      Niemand kann dich so lieben, wie ich dich geliebt habe.

      Meine Gedanken waren, wie in einem Tunnel. Der Landstreicher
      überquerte wieder eine Straße, er benahm sich wie ein wildes Tier.
      Es schien mir, als ob ein Zusammenhang da war. Das wilde Tier und die
      unerfüllte Liebe. War es ein Zufall, ich kann es nicht sagen, aber es passierte so.

      Wir müssen darum ein Hinterstübchen aussparen, ganze für uns selbst, in Abgeschiedenheit und stille. Wir müssen hier nachsinnen, Lachen, ohne Kinder, ohne Ehefrau, so dass, wenn das Ereignis da ist, nichts neues ist, ihrer zu entbehren.

      Die Weisen schärfen uns ein, vor der Heimtücke unserer Begierden auf der Hut zu sein. Denn die Liebe umschlingt uns, um uns zu erwürgen.

      Selbst Lukrez, dieser große Dichter, mag sich noch so sehr in Weisheit versenken, brachte ein Liebestrank von Sinnen. Sei er noch so weise, am Ende bleibt er nur ein Mensch.

      _________________
      Die unerfüllte Liebe, von Karl-Wilhelm Schmidt

      Wie findet man einen Seriösen Verleger, ohne Selbstbeteiligung

    2. Karl-Wilhelm Schmidt meint:
      25.Januar 2009 at 18:58

      Deutsch Türkisch

      Die Liebe ist das Wunder meines Herzens. YARIM KALAN ASK
      Es ist mein Verlangen, Sevgi bir mucizeydi sanki kalbimde,
      dich mit Liebe zu überschütten. Bu benim arzumdu seni sevgimle
      Du hast mein Herz verzaubert, doldurmak,
      mit einem einzigen Blick. Sen kalbimi öyle büyüledin ki o birtek
      Durch deine Liebe zu mir, bakisinla,
      bin ich voller Glück, Senin bana olan sevginle mutluluk
      aber meine Augen sind voll Tränen. doluydum.
      Wenn du mich doch nur lieben würdest, Ama gözlerim Tamamen gözyasi,
      wäre ich voller Glück. Keske saadece beni sevmis olsaydin,
      Meine Gedanken drehen sich nur um dich, Cok mutlu olurdum inan.
      ich habe schon Sehnsucht wenn ich erwach. Düsüncelerim saacede senin etrafinda
      Nie hab ich so innig geliebt. dönüyor,
      Meine Gestalt ist jämmerlich vor Elend. Uyandigimda bile özlüyorum seni;
      Hic böyle icten sevmemistim.
      Bedenim darmadagin üzüntüden.

      Ach, uns rühmt es zu blühen, Ah, cicek gibi acilmakla övünürken biz,
      nicht nur in unseren Köpfen, Sirf aklimizla degil,
      auch in den Därmen, ayrica bedenimizle,
      die Kraft des Unbewussten zu nutzen. gücümüzün bilincsizliginden
      So wird`s dann geschehen, yararlanmak icin.
      wie ich es gedacht. Iste böyle oluyor, tipki düsündügüm gibi,
      Danach sehnt sich mein Herz, Sonsuzlukta sanki kalbim,
      ich aber bin elend und voller Schmerz. Sefalet ve aci icindeyim sanki,
      Die Liebe umschlingt uns, Sevgi bu yakmis bizi..
      Lebewohl zu mir, ein letztes Mal. Bana elveda son bir kez,
      Sie war reiner als der Schnee, Öyle temiz ve safti ki kar gibi,
      und reiner als Milch. Ve safti sütten bile,
      Yarim kalan bu ask..!
      (doldurulmayan bu ask)…

      Von Karl-Wilhelm Schmidt

      Karlwilismus * 1950 16.10.2008 Kategorie A

      Die Kinder brauchen eine Bezugsperson, damit sie behütet aufwachsen können.
      Gehalt vom Staat für Hausfrauen oder Hausmänner, damit gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr. Die Familie muss wieder ihren Stellenwirt und Anerkennung in der Gesellschaft bekommen. Die Kinder brauchen eine Bezugsperson, damit sie behütet aufwachsen können. Es ist nicht alles verkehrt, was sich früher bewährt hat. Die Bürgschaft über eine halbe Billion kann ein Fehler sein. Dafür hätten wir eine Grundrente für alle Bürger Finanzieren können. Durch den Verlust der guten D-Mark, haben wir unseren Vorteil verloren. Das Leben ist Teurer geworden mit der Einführung des Euros! Und wer dies nicht merkt, hat anscheinend soviel Geld.
      Mit freundlichen Grüßen Bremervörde 25.01.2009
      Karl-Wilhelm Schmidt

      http://www.bremervoerde-schmidt.homepage.t-online.de/

      K.W.Schmidt.de@t-online.de
      Newskarlwilismus
      Handy 0 17 58 26 79 12

    3. Karlwilismus meint:
      18.September 2010 at 11:02

    Kommentare

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