litblog.de - Das Literatur Blog für Deine Geschichten und Gedichte
PayDay loans Car Insurance
  • Kategorien

  • litblog Werke

    Februar 2008
    S M D M D F S
        Mrz »
     12
    3456789
    10111213141516
    17181920212223
    242526272829  
  • Letzte Beiträge

  • Letzte Kommentare



  • « Als ich heute beim Chinesen war… | Home | Ursula und Siegfried oder Barths Physik (Autor: york) »

    Ein Märchen für Sebastian

    Von admin1 | 6.Februar 2008

    Es war einmal ein altes Mütterchen. Es wohnte ganz allein und hatte niemand mit dem es reden konnte. Die wenigen Leute, die an dem Häuschen vorbei gingen , machten einen großen Bogen um das Anwesen.

    Ihre Mahlzeiten waren sehr karg.Sie pflanzte in dem kleinen Garten ein paar Kartoffeln und die zwei Hühner legten ab und zu ein Ei. Wasser gab es nur aus dem Brünnlein. Sie fühlte sich sehr einsam. Fernseher und Radio hatte sie schon lange nicht mehr. Sie konnte den Strom dafür nicht bezahlen. Wenn sie kein Holz im nahen Walde fand, konnte sie kein Feuer machen und fror erbärmlich. Dann plagte sie auch der Hunger. Gewiss es könnte ihr wohl besser gehen, denn sie hatte zwei Töchter und einen Sohn. Alle waren verheiratet und wohnten weit weg.Jeder hatte sein Leben neu eingerichtet , da war für die Mutter keine Zeit. Sie dachte oft an sie, wie es ihnen wohl erginge. Sie wuste nicht dass sie sechs Enkelkinder hatte. Man hatte einfach vergessen es ihr mitzuteilen.

    Ja, als ihr Mann noch lebte, er war bei der Bahn angestellt, war alles ganz anders. Lachende Kinder, sauber angezogen stürmten dem Vater entgegen, wenn er von der Arbeit kam. Andächtig lauschten sie seinen Erzählungen. Mutter stand am Herd und war glücklich. Diese Idylle zerbrach, als der Vater verunglückte. Nun musste die arme Frau den Lebensunterhalt für die Familie verdienen. Sie wusch und putzte für andere Leute. Der Zusammenhalt der Geschwister zerbrach, jeder fand neue Freunde. Manche waren nicht gut. Erst als die Älteste von zuhause auszog, bemerkte die Mutter die Veränderung, doch sie war machtlos. Auch die andere Tochter und der Sohn entglitten ihr.

    Nun stand sie allein und versuchte ihr Leben neu zu ordnen. Aber es wollte ihr nicht gelingen, sie war so verbittert in ihrem Herzen und fand keine Freude mehr am Dasein.

    Das Gärtchen mit den duftenden Rosen verwilderte. Efeu , einst schön an der Mauer hochgezogen, wandt sich nun durch den Hof und Garten. Es erstickte alles, was sich der Sonne entgegen reckte. Nur das Unkraut allein ließ sich nicht unterdrücken. Selbst im Haus roch es feucht, es wurde ja nicht geheizt. Die Fensterscheiben, blind vom Staub, ließen auch keinen Sonnenstrahl herein. Die Katze , sonst auf der Fensterbank, miaute kläglich, ihr gefiel es hier nicht mehr, und eines Tages war sie weg. Sicher in einem freundlicherem Haus.

    Ungefähr vor einem Jahr, gab es eine Veränderung in der Straße. Bagger rückten an, große Baumaschinen, viele Männer gaben Befehle. Es wurde sehr laut in der Gegend. Die Nachbarn beschwerden sich. Man sprach von einer Jugendherberge. Dann wird es wohl mit dem beschaulichen Dasein vorbei sein, mutmaßten die Leute.

    Dann war das Bauwerk fertig, einzugsbereit, Ferienzeit. Viele lärmende Kinder entstiegen den Bussen und eroberten die Straße. Auch vor dem verwilderten Häuschen blieben sie stehen. Sie riefen durcheinander: “Kommt schaut euch das an, hier steht ja das Hexenhäuschen von Hänsel und Gretel .” Eine Weile ließ sich die alte Frau nicht blicken, aber schließlich siegte doch ihre Neugier. Sie öffnete die knarrende Haustür und die Kinder stobte angstvoll davon. Es vergingen einige Tage, bis sich ein kleiner Junge wieder vor das Haus wagte. Die alte Frau holte sich gerade ein Ei, das die dicke Berta unter einen Strauch gelegt hatte. Er schaute so verlangend, dass sie es nicht über das Herz brachte wegzugehen. Zaghaft klang die Stimmedes Kindes: “Darf ich das Ei einmal anfassen?” Zögernd ging sie ein paar Schritte auf ihn zu und schüttelte den Kopf, wohl über sich selbst. Aber da war der Junge schon dabei über das Tor zu klettern. “Halt,” rief sie, “doch nicht so, warte ich mache dir auf.” Sie holte einen verrosteten Schlüssel aus ihre Schürzentasche, dabei murmelte sie: “Die schöne Hose wirst du zerreissen, was sagt wohl deine Mutter dazu?” Der Junge hörte trotzdem die leisen Worte und entgegnete: “Meine Mutter, sie bemerkt es nicht, wenn eine kaputt ist, ich werf sie einfach in den Mülleimer. Außerdem habe ich noch sehr viele Hosen.” Der Bann war gebrochen. Die heiter dahingesagten Worte des Kindes versetzten die Greisin in eine sonderbare Erregung. “Komm, halt es mal.”- “Aber das ist ja ganz warm,ist das schon gekocht?” Sie erklärte es ihm,wie das mit dem Eierlegen ist. “Oh weh,jetzt muss ich mich beeilen ,sonst bekomme ich kein Abendbrot mehr. Darf ich morgen wiederkommen, bettelte er?”- “Immer wenn du willst,” versprach sie. Wehmütig schaute sie ihm nach, als er hüpfend und singend davon ging. In ihrem Zimmer nahm sie die Fotos ihrer Lieben zur Hand, staubte alle ab, und betrachtete sie ganz versunken.

    Am nächsten und übernächsten Tag kam das Kind wieder. Sie plauderten ein Weilchen. Er wollte wissen, wie die Blumen heißen, ob sie allein hier wohne, und ob sie wirklich die Hexe aus Hänsel und Gretel sei. Warum aber ist das Häuschen dann nicht aus Lebkuchen? “Ja, wie es hier aussieht.” Erwachend schaut sie in den verwilderten Garten, “ich werde wohl aufräumen müssen.” - ”Darf ich helfen? Bitte.” Es gibt nichts Schöneres für ein Kind als die Dinge zu entdecken. “Was ist das, was tut man damit, kann ich es auch einmal probieren?” - “Du stellst dich garnicht ungeschickt an,” bemerkte sie, “habt ihr zuhause auch einen Garten?” -”Nein wir haben keinen Garten, wir wohnen in einem Hochhaus, ganz oben. Wir fahren mit dem Fahrstuhl. Wir haben viele Zimmer. Meine Geschwister und ich, wir spielen immer Verstecken, aber nur wenn unsere Eltren nicht da sind.” -”Seid ihr oft alleine?”-”Ja, jeden Tag.” Was ist das nur für eine Welt, dachte sie. “Darf ich mich mal im Hause umsehen?” - “Nur zu, hier gibts nicht viel zu sehen.”- “Oh, sind das ihre Kinder? Und der Junge, der so komische Hosen trägt, aber der sieht ja aus wie ich.” Versonnen sieht sie das Kind an, “ja, das stimmt wohl.”- “Wenn ich wieder kommen bringe ich dir ein paar Bilder von Mama und Papa mit.” Ohne dass er es merkte, sprach er sie mit Du an. “Das wäre schön,”freute sie sich.

    Und so vergingen die Ferien. Am letzten Tag, kam der Junge zum Häuschen, aber die alte Frau schien nicht dazusein. Er spähte durch die inzwischen glänzend geputzten Fensterscheiben und sah sie auf der Erde liegen. Sofort rief er einem Passanten zu: “Meine Oma, schnell einen Arzt, meine Oma.” So wurde das Mütterchen schließlich gerettet. Der Junge besuchte sie dann mit seinen Eltern und Geschwistern im Krankenhaus. Aber die Überraschung war perfekt, als sein Vater die Frau sah.

    “Mutter”, konnte er nur stammeln, “was ist blos mit uns geschehen.” Das Kind aber, lief freudestrahlend an das Bett und verkündete lautstark: “Das ist meine Oma!”

    Obwohl es nicht die Zusammenhänge begriff, tat es instinktiv das Richtige.

    ... | Kategorie Märchen | Trackback: URL/trackback

    Ein Kommentar to “Ein Märchen für Sebastian”

    1. susann65 meint:
      15.April 2009 at 11:23

      das find ich supertoll! Ich liebe Märchen total. weiter so!

    Kommentare

    Man muss eingelogged sein um einen Kommentar zu posten.